Wir erinnern an den Lieder-Boss und Straßenhund!
11.Juni 1942 - 22.Juni 2017


Hier kannst du in das finale Album "LickLab Akustik Session" Reinhören: Streaming | Download    

Schon sein erster großer Plattenerfolg war ein eingedeutschtes Lied seines Idoles Johnny Cash: „Ich werd` gesucht“. Gabriel hat es 1973 einfach für sich adaptiert und auch deklariert. In den folgenden Jahrzehnten blieb er immer „stur auf der Spur“, was Cash angeht und heute verkörpert er ihn sogar auf der Theaterbühne. In Volker Kühn`s Erfolgs-Musical „Hello I`m Johnny Cash“ ist Gunter Gabriel nach 85 ausverkauften Veranstaltungen in Berlin nun ab dem 13.August auch im Altonaer Theater in Hamburg zu erleben. Doch der Weg bis hierhin war für den kantigen Sänger mehr als beschwerlich und er hatte mehr Tiefen als Höhen. Denn vor allem in den 1980er und 1990er Jahren war Gabriel ganz unten, er hatte keinen Hit mehr, die Plattenerfolge blieben aus und alle ließen ihn fallen. Als Künstler hatte er nichts mehr zu melden. Dazu kamen Frauengeschichten, Gewalt und Frustration, immer wieder Alkohol und ein „loses Mundwerk“. Gabriel sagte das laut, was er tief in sich dachte. Wo andere erst einmal lange überlegten, hatte Gabriel schon alles gesagt. 2003 raffte er sich noch einmal auf, flog nach Nashville und nahm ein Album mit Johnny Cash Songs in deutsch auf, produziert von John Carter Cash im hauseigenen Cabin Studio. Für Gabriel die Erfüllung eines Traumes, für seine Fans kein Kaufargument. Das Album floppte, auch wegen fehlender PR- und Marketingmaßnahmen. 2010 dann die große Überraschung: Das Album „Sohn aus dem Volk“ mit ausschließlich neuem, eigenem Material. Und plötzlich war Gabriel – mit neuer Plattenfirma an seiner Seite - wieder in aller Munde, fand die Anerkennung, die man ihm viele Jahre verweigerte. Die Schulden, die er jahrelang anhäufte, hatte er mit einer „Wohnzimmertour“ abgearbeitet, und der Alkohol, der ihn jahrelang unberechenbar werden ließ du ihm nichts als Ärger einbrachte, verschwand aus seinem Leben. Dafür kam die Rolle seines Lebens im Musical „Hello I`m Johnny Cash“, in der er neben Helen Schneider die Titelrolle verkörperte. Die Musik des Musicals – Songs die Johnny Cash populär machte – ist die Inspiration zu seinem (wie wir jetzt wissen) finalem Album „LickLab Akustik Session“ (AWP Records). Noch vor dieser Studioproduktion sprachen wir ausführlich mit Lieder-Boss Gunter Gabriel über Vergangenes, Gegenwärtiges und Künftiges.
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Wie haben Sie und Johnny Cash sich kennen gelernt?
Ganz einfach: Ich habe an seiner Tür geklingelt und es wurde mir aufgetan.

Einfach so?
Nein, nicht ganz. Das kam daher, weil mein erster Song in der Hitparade ein Lied von Cash war, geschrieben von Bob Dylan, und das ein wenig von mir `umgebaut` wurde. Ähnlich wie “Folsom Prison“, das von einem gewissen Jenkins geschrieben wurde und von Cash `adaptiert` wurde. Cash sagte sich: diesen Kerl will ich kennen lernen, der so ähnliche Sachen macht wie ich. Was natürlich so nicht stimmte, denn er war weit über mir. Die Einfachheit, dass ich zu ihm nach Hause kommen konnte, hat mich begeistert. Daraus ist unsere Freundschaft entstanden. Es war ein großartiges Glück für mich. Als ich ihn das erste Mal Ende der 1970er Jahre traf, konnte ich nicht ahnen, dass er mich jedes Mal anrufen würde, wenn er in Deutschland war und ich ihn auch mehrere Male zuhause besuchen durfte.

Jetzt stehen sie im Musical „Hello I`m Johnny Cash“ sogar auf einer Theaterbühne und schlüpfen in die Rolle ihres Idols.
Dass ich dieses Leben von Cash heute in einem Zwei-Stunden-Musical noch einmal auf der Bühne darstellen kann, ist die Krönung. Der Witz dabei: Es ist nicht gefaket, das stimmt tatsächlich. Ich tue nicht so, ich kenne Cash wirklich. Das ist kein Publicity-Gag. Zwischen unseren Kurven im Leben ist wirklich eine Parallelität vorhanden, die uns beide geprägt hat. Für mich war es das größte Geschenk meines Lebens, ihn persönlich kennen gelernt zu haben, mit ihm natürlich auch Willie Nelson kennen gelernt zu haben, Waylon Jennings, Kris Kristoffersen, Elvis Presley, Tammy Wynette - alle diese Leute habe ich nur durch ihn kennengelernt. Ich bin ja nur ein kleiner Junge, und wie ich immer sage: der Sohn eines Schrankenwärters. Dass ich so etwas hinbekommen habe, ist die größte Ernte meines Lebens. Das macht meinen eigenen persönlichen Reichtum aus. Darüber bin ich sehr glücklich und nun kann ich das vollenden, am Ende meines Lebens, mit so einem Musical, das jeden Tag ausverkauft ist. Etwas Besseres gibt es nicht.

Ihre Partnerin Helen Schneider ist ein Vollprofi. Wie sind sie von ihr aufgenommen worden?
Anfangs hat sie mich an ihrer Seite abgelehnt. Sie wollte mich nicht haben und es stand manches Mal auf der Kippe, ob sie überhaupt noch weiter spielen wird. Aber sie fand auch, dass mein Name größer war, als ihrer. Sie ist auch eine Diva, das muss man ganz klar sagen. Aber sie ist auch besser als ich auf der Bühne, sie kann besser singen als ich und sie sieht toll aus. Sie ist ein Profi, ich nicht, aber ich reiß das Ding trotzdem!

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War es leicht für sie zum ersten Mal an einem Theater zu arbeiten?
Nein, überhaupt nicht. Ich kam plötzlich in dieses Disziplin-Korsett eines Theaters, das war etwas vollkommen Neues für mich. Aber das hat mir Nachhinein sehr wohl getan, dass ich endlich einmal in einer Familie von Leuten war, die sich wirklich um mich gekümmert haben, dass ich gekämmt war und immer ein sauberes Hemd anhatte, geputzte Schuhe, dass ich gut geschminkt war, bis ich auf die Bühne kam. Das hat mir sehr gut getan und ich bin dankbar dafür.

Das Album „Gabriel singt Cash“ ist 2003 noch kurz vor dem Ableben Cash`s entstanden. Warum wurde es kein Erfolg?
Das Album wurde damals in den Medien lieblos behandelt, weil viele gedacht haben: Jetzt hängt er sich an den Tod von Johnny Cash ran. Das stimmt ja nicht. Das Cash so kurz nach der Produktion verstarb, war nur ein Zufall. Was ich allerdings befürchtet hatte, als ich ihn damals sah. Das haben wir in dem Moment alle befürchtet. Unser Wiedersehen war sehr erschreckend. Wir sind auf die Knie gefallen und haben geweint. Dass das Album jetzt noch einmal eine neue Wertigkeit bekommt, auch durch den Erfolg des Musicals, und dass meine Plattenfirma mitspielt und sagt: `Diese Scheibe ist eine Dokumentation` - das ist für mich ganz wichtig. Ebenso wichtig ist, dass man erkennt: Worüber hat der Kerl eigentlich gesungen? Was macht die Lieder eines Johnny Cash aus?

Das Album ist bereits Ende 2003 erschienen. Was ist an der späteren Neuveröffentlichung anders?
ich ist damals die Veröffentlichung zu sehr forciert worden. Die Lieder sind nicht richtig gemischt worden. Das war lediglich ein Rohmix, der so von Nashville nach Deutschland gekommen ist und sofort auf Platte veröffentlicht wurde. Heute können wir sie noch einmal remixen und ganz anders mastern. Außerdem packen wir zusätzlich noch einige Bonussachen auf das Album, zum Beispiel die beiden Duette „Ring Of Fire“ und „Jackson“. Dazu ein komplett neuer Song: „Was wär die Welt ohne dich“, ein Loblied auf Cash und all die Jungs, die die Welt beeinflusst haben, sowie das Telefonat von Cash von meinem Anrufbeantworter, in dem er sich vorstellt mit den Worten „Hello, I`m Johnny Cash, my friend Gunter Gabriel, come over to my studio and sing my songs in german language….“

Nach längerer künstlerischer Durststrecke bekam Cash in seinen letzten Lebensjahren wieder die Anerkennung, die ihm gebührt. Bei ihnen verlief das ähnlich. Worin liegen nach ihrer Meinung die Ursachen dafür?
Cash hat in den 1990ern mit seiner Musik ein ganz neues Bewusstsein geweckt, vor allem bei jungen Leuten. Ich glaube, dass ich selber ab 2010 auch einen neuen Stand bekommen habe, eine neue Positionierung innerhalb der Musikindustrie. Weil ich mein Leben wieder ordnen konnte. Das spielt eine große Rolle. Die Leute treten mir heute ganz anders entgegen, als noch vor 10 Jahren. Das kommt daher, dass ich meine Frustration verloren habe und meine Aggressivität, die daraus entstanden ist. Man darf das nicht vergessen: ich habe ja 1985 praktisch meine Karriere beenden müssen. Aus dem „Vollsaft“ bin ich finanziell voll abgestürzt. Durch falsche Beratung, die ich natürlich zugelassen habe. Ich bin derjenige, der es letzten Endes verschuldet hat, aber es war natürlich auch nicht leicht, aus dieser Umklammerung heraus zu kommen. Durch die Vorurteile der Menschen: der Junge ist pleite, der ist nicht mehr wert. Man wird dadurch frustriert und das Leben kommt vollkommen ins Schleudern. Man wird auch nicht mehr der Netteste sein, wenn man merkt, dass man ertrinkt. Dann schlägt man um sich, das ist einfach so.

Auf ihrem Comeback-Album von 2009 „Sohn aus dem Volk“ höre ich einen vollkommen anderen Gabriel als den, den ich bisher musikalisch kannte. Wo ist der „alte Straßenhund“ geblieben?
Die Lieder klingen am Anfang ziemlich ruhig und glatt. Das hat mich anfangs auch ein bisschen irritiert. Ich war da auch nicht 100 % glücklich, weil es eine ganz neue Art von Songs war. Aber es hat ja auch Bewährtes. Interessant war, dass die Leute, wie auch die Medien, fassungslos davor standen. Ich habe plötzlich eine Feuilleton-Präsenz bekommen, die ich niemals zuvor hatte. Der Spiegel hatte über mich geschrieben, die Süddeutsche, der Tagesspiegel, die Welt am Sonntag und alle haben sich positiv geäußert.

Haben Sie das Gefühl, künstlerisch am Ziel zu sein?
Nein, ich bin immer noch auf dem Weg. Es gibt so viele neue Möglichkeiten, für die ich mich öffnen muss. Es geht immer weiter und es gibt immer neue Themen. Roy Clark, ein alter Las-Vegas-Cowboy-Sänger, hat einmal das Lied von Charles Aznavour gesungen: „Yesterday When I Was Young“. Das kann ich doch heute erst richtig singen, mit fast 70 Jahren. Da sehe ich meine Chancen hinzukommen für die Zukunft. Oder „Forever Young“ von Bob Dylan, oder von Eric Clapton „Wonderful Tonight“. Das sind doch super gute Männersongs. Oder auch „Imagine“ von John Lennon. Alles in Deutsch natürlich. Sowas möchte ich noch singen. Das sind Nahziele. Fernziel ist aber, dass ich noch den Song schreiben muss, der das Leben erklärt. Das heißt: Ich muss noch viel in der Bibel lesen, in den alten Religionen, muss mich weiterbilden. Ich bin da ähnlich positioniert wie Johnny Cash. Ich möchte nur daran erinnern, dass in seinem Studio die Bibel aufgeschlagen lag. Darin war jede Seite in verschiedenen Farben unterstrichen, rot, grün, blau. Jede Seite war durchgearbeitet. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Je älter ich werde, desto mehr komme ich dahin, mich auch um den Glauben zu kümmern. Obwohl ich ja keinen habe, ich bin ja Atheist. Ich glaube nicht an Wiedergeburt oder an ein weiterleben. Dennoch interessiert mich das. Darüber muss ein Lied kommen. In sofern werden sich die Ziele verschieben.

Vom Siebzigerjahre Boom-Chicka-Boom-Sound, den Johnny Cash bekannt machte, haben sie sich gänzlich verabschiedet. Warum?
Aber ich liebe ihn trotzdem und live spiele ich ihn auch noch. Ich halte ihn für einen sehr guten Sound! Er ist interessant. Dieses Schema der drei Akkorde finde ich super. Du brauchst nur drei Akkorde und dann kannst du jeden guten Song spielen. Ja, gibt es denn so was? Darum habe ich jetzt auch die Idee entwickelt, dass ich Gitarren an Straftäter verschenkte, an Verbrecher und an Mörder. Die bekommen die Gitarren, einen Lehrer und lernen mit drei Akkorden Musik zu machen, um dadurch ihr Selbstwertgefühl zu heben. Selbst gemachte Musik kann dich befreien von Frustration.

Sie haben eine Zeit lang unglaublich viel Geld mit der Musik verdient. Macht der Besitz von viel Geld anfällig, dass man kein Verhältnis mehr zum Geld entwickelt, dass man es raus schmeißt ohne nachzudenken?
Ja, das spielt sicher auch eine Rolle. Das ist aber auch nicht so tragisch, ich habe ja auch nicht so einen auf dicke Hose gemacht oder mich arrogant verhalten. Aber es ist natürlich so, wenn du, sagen wir mal von einem Status von 800 oder 1000 DM, die ich damals als Hilfsarbeiter oder auch als Discjockey verdiente, auf 100.000 oder gar 200.000 Mark im Monat kommst, und es hört gar nicht auf. Du bist mit 5, 6 Platten in der Hitparade, du kriegst eine GEMA von 1.000.000 DM im Jahr - das ist schier unfassbar. Dann fragst du dich, wohin mit all dem Geld? Aber ich muss auch sagen: das Geld ist zum ausgeben da. Ich habe noch nie einen Geldtransporter gesehen hinter einem Leichenwagen. Du kannst es nicht mitnehmen.

Macht Geld glücklich?
Ich habe ich mir drei Harley-Davidson gekauft, eine Wohnung und ich habe gut gelebt. Aber ich habe auch die Erkenntnis gewonnen, dass all das nicht glücklich macht. Das weiß ich jetzt erst, durch die Enthaltsamkeit, durch die zehn Jahre Leben auf der Autobahn. In dieser Zeit war ich glücklich, auch als ich merkte, ich stürze ab. Heute, durch diese Neubelebung von mir, bin ich vollkommen balanciert. Heute kann mich Geld nicht mehr reizen. Ich verdiene zwar wieder gutes Geld, ich habe aber auch viele Rechnungen noch zu bezahlen. Ich habe Kinder, die zu versorgen sind. Und ich habe bestimmt seit 1985 nicht ein einziges Mal Urlaub gemacht. Ich bin jemand, der diszipliniert jeden Morgen gegen 6:00 Uhr auf steht und um 1:00 Uhr nachts ins Bett geht. Jetzt bin ich in so einem Schwung, dass ich merke, der Ball rollt, und es macht Spaß. Erfolg macht Spaß! Erfolg hält fit. Erfolg hält gesund. Auch mental. Ich bin so glücklich, dass ich am Ende meines Lebens noch einmal den Ball ins Rollen bekommen habe und ich werde den Ball nicht stoppen. Ich bin Stürmer.

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Fühlen Sie sich innerlich jetzt so gefestigt, dass ihnen ein erneuter Absturz nicht mehr passieren kann?
Ich werde nicht wieder in den Alkohol oder in die Aggressivität abrutschen. Aber abstürzen kann man natürlich immer. Zum Beispiel, wenn ich einen Schlaganfall bekomme, oder in dem Moment, wenn irgendwas passiert. Es kann dir immer und jederzeit etwas passieren, jedem. Der Tod kommt so oder so? Aber wie ich dahin komme, das kann ich noch ein bisschen lenken und versuchen, in den Griff zu kriegen. Indem ich mehr Sport mache, meine Gesundheit beobachte, ich mich vernünftig ernähre. Bei mir gibt es keinen Alkohol mehr, was aber nicht ausschließt, das ich mal ein Glas Rotwein trinke. Ich rauche keine einzige Zigarette mehr. Es gibt keine Sicherheit im Leben, das weiß ich und Geld kann mich nicht mehr korrumpieren. Mein Reichtum definiert sich nicht durch das Geld. Eher schon durch meine Bücher, die ich auf meinem Boot habe und durch meine Freiheit, dass ich wirklich frei leben kann, dass ich kein Rentner bin. Das ist großartig! Dass ich so gefordert bin und auch diese Forderung umsetzen kann, dass ein Theater auch wegen mir ausverkauft ist, der Intendant sagt: `Ich glaube es einfach nicht, dass du das so in die Reihe kriegst.` Ich brauche kein Mariacron zur Belebung meiner Herzfrequenz. Der Erfolg, den ich jetzt habe, der tut mir psychisch und physisch gut.

Sie sind eine zeitlang überall angeeckt. Muss man als Künstler provozieren?
Ja, ich denke schon. Ich kitzle gern Leute und gucke, wie sie reagieren. Das ist letztendlich nur ein Spiel, ich bin ja kein böser und auch kein Neider. Das was ich früher gemacht habe war oft Unbeholfenheit und Ausdruck meiner Komplexe. Das kam auch daher, weil ich viel angegriffen wurde. Ich bin viel in Zweifel gezogen worden aufgrund meiner Ehrlichkeit, musste mich immer zur Wehr setzen, wurde oft als Schlagersänger bezeichnet. Das ist schrecklich für mich gewesen. Das ist vorbei. Aber ein bisschen Punk, etwas rebellisch, werde ich immer bleiben. Die Leute sehnen sich auch danach. Wie kommt es das ich mit fast 70 Jahren immer noch im Gespräch bin? Wahrscheinlich genau deshalb, weil ich Ecken und Kanten habe. Ich bin auf jeden Fall ehrlich und wenn ich Mist baue, dann sage ich das auch und entschuldige mich dafür.

Sie sind Country Sänger, haben aber in ihrem Leben sämtliche Klischees des Rock`n Roll ausgelebt. Welches hat am meisten Spaß gemacht?
Rock`n`Roll heißt frei sein. Rock`n`Roll ist eine Philosophie, sich von den bürgerlichen Zwängen, den bürgerlichen Üblichkeiten des Lebens, wie Haus besitzen, Doppelgarage, einmal im Jahr in den Urlaub fahren, mittwochs über die Frau schleichen - dass ich mich davon lösen konnte, das hat mir am meisten Spaß gemacht und dass Ich mir eine gewisse Form von Freiheit schaffen konnte. Aber ich habe ja auch meine Zwänge.

Auch in Zeiten, wo es ihnen sehr schlecht ging, hatte sie immer Frauen um sich. Sind Sie ein Frauentyp?
Ich bin natürlich kein Frauentyp im herkömmlichen Sinne, kein besonders attraktiver Mann. Die Frauen lieben etwas anderes an mir. Was ich jetzt mit Genugtuung akzeptiere, je älter ich werde. Die Frauen lieben an mir, dass ich aufmerksam bin, Ihnen mit Respekt gegenübertrete, dass ich ein Führer bin, der aber auch zuhören kann. Ich bin ein Problemkiller.

Das steht aber im Widerspruch zu einigen Schlagzeilen in den 1990er Jahren.
Früher war das anders. Wenn man mich gefährlich beleidigt oder wenn man mich in eine Ecke treibt, wenn eine Ratte in die Ecke getrieben wird, dann wird eine Ratte gefährlich. Normalerweise ist sie das nicht. Und so war es bei mir auch. Als ich in die Ecke getrieben wurde, da wurde ich gefährlich. Ich hatte mir allerdings auch Attitüden angewöhnt, die von meinem Vater herkamen, war auch eine Zeit lang gewalttätig durch das, was ich in der Familie erlebt habe. Mein Vater war ein sehr gewalttätiger Mann, ein Zertrümmerer. Warum? Das kam durch den Krieg, Stalingrad, Kugel im Kopf, meine Mutter ist früh gestorben. Ich bin ja gar nicht normal aufgewachsen, aber bis ich kapiert habe, wo es langgeht, habe ich mir das angewöhnt, was mein Vater mir vorlebte. Nämlich auch Gewalt. Gott sei Dank konnte ich das alles beheben. Warum? Weil ich mir die Frage gestellt habe: `Warum bin ich so?` Das ist auch die zentrale Frage als Songschreiber: Warum ist etwas so? Warum hat sich etwas so entwickelt?

Sie haben viel Pech gehabt mit den Frauen. Woran könnte das gelegenen haben?
Das hat alles was mit mir selbst zu tun. Ich könnte ohne Frau gar nicht leben, ich brauche sie aber nicht tagtäglich um mich herum. Ich brauche die Frau auch nicht wie die Emily auf dem Rolls-Royce, ich brauche keine Frau als Statussymbol. Dafür brauche ich sie nicht. Ich brauche auch keine, die mir die Wäsche wäscht oder mein Geschirr spült. Aber ich brauche eine Frau, die mich vom Kopf her beflügelt. Auch als Sexualobjekt brauche ich die Frau nicht, aber als liebenden Menschen. Wie jeder andere Mensch übrigens auch. Auch wenn ich da manchmal machomäßig und flapsig drüber rede: die Schenkel einer Frau sind für mich die Einflugschneise ins Glück.

Ihren 60. Geburtstag haben sie an einer Autobahnraststätte groß gefeiert. Gibt es schon Pläne für den anstehenden 70. Geburtstag?
Ja, das ist sogar schon ziemlich konkret. Ich feiere ja nur wenn ich „Nulle“, also den 60., den 70. usw. Zum nächsten runden Jubiläum werde ich mit vielen Freunden auf einer Barkasse durch den Hamburger Hafen schippern.

Interview / Fotos © Andreas Weihs

IN STORES: MÄRZ. 8, 2024

Bring mein Herz zu Rose (Akustikversion)

Gunter Gabriel mit emotionalem Liebeslied des Man In Black  –  Bring mein Herz zu Rose (Akustisch)

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Die neueste Singleauskopplung, "Bring mein Herz zu Rose (Akustikversion)“, aus dem hochgelobten Akustikalbum "Licklab Akustik Session" von Gunter Gabriel ist eine einfühlsame Übersetzung des Liebesliedes „Give My love To Rose“, das eine fast schon traurige, aber dennoch im Kern optimistische Geschichte erzählt und das ursprünglich von der Country-Ikone Johnny Cash geschrieben und gesungen wurde. Gabriel, der Johnny Cash auch schon auf der Theaterbühne verkörperte, präsentiert das emotionale Lied in seiner einzigartigen Interpretation, die ohne musikalischen Ballast auskommt und den Fokus auf die raue Schönheit der Akustik legt.

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Das Lied verspricht ein besonderes Hörerlebnis, bei dem die Seele des Songs durch Gabriels beeindruckende stimmliche Ausdruckskraft zum Leben erweckt wird. Die akustische Atmosphäre schafft einen intimen Raum, in dem die Zuhörer die tiefe emotionale Verbindung zwischen Gabriel und dem Song spüren können. In einer Zeit, in der Authentizität oft rar ist, zeichnet sich Gunter Gabriel durch seine aufrichtige Interpretation von "Bring mein Herz zu Rose" aus. Dieses Stück ist mehr als nur Musik; es ist eine künstlerische Hommage an die zeitlose Poesie von Johnny Cash, in deutscher Sprache.

SONGTEXT

Musik + Text: Johnny Cash
Deutscher Text: Gunter Gabriel
Verlag: Knox Music Inc.


Ich fand ihn dort am Schienenstrang heut' morgen Er lag mehr tot als lebend dort im Gras
Ich hörte, während ich mich zu ihm kniete All die Worte, die ich nie vergaß

Er sagte: "Sie ließen mich aus der Zelle da in Bochum Zehn Jahr' zahlte ich für das, was ich getan
Ich wär gern heim zurück nach Hoyerswerda Zu meiner Rose und meinem einz'gen Sohn

Bring mein Herz zu Rose, versprich es, Fremder! Gib ihr mein Geld für Kleider und leg ihr Blumen in den Schoß
Sag meinem Sohn, dass ich ihn sehr, sehr lieb hab Und bitte, Fremder, bring mein Herz zu Rose

Sag ihr Dank, dass sie so lang auf mich gewartet Sie soll jetzt nicht mehr länger um mich wein'n
Sag Rose, sie soll sich einen andern suchen Denn es ist nicht gut für sie, allein zu sein"

Er sagte: "Fremder, hier ist das Tuch mit all dem Geld drin Versteck es gut und lass es nicht mehr los
Gott segne dich; ein Glück, dass du mich fandest Und bring alles, was ich habe, hin zu Rose

Bring mein Herz zu Rose, versprich es, Fremder! Gib ihr mein Geld für Kleider und leg ihr Blumen in den Schoß
Sag meinem Sohn, dass ich ihn sehr, sehr lieb hab Und bitte, Fremder, bring mein Herz zu Rose"

Zum Album LICKLAB AKUSTIK SESSION    

IN STORES: SEP. 9, 2023

Vor 20 Jahren verstarb Country-Ikone Johnny Cash

Gunter Gabriel mit seiner Hommage an den Man In Black  –  Mein letzter Gruß (Akustisch)

Jetzt ist es bereits 20 Jahre her, dass Country Ikone Johnny Cash seinen Hut abnahm und für immer im Himmel eincheckte. Vielleicht rockt er jetzt sogar schon in einer Band mit seinen Kumpels Roy Orbison und Elvis Presley. Einer der wenigen Deutschen, der jahrelang sehr eng mit dem US-amerikanischen Sänger freundschaftlich verbunden war, ist Gunter Gabriel, der selbst gern mal als „deutscher Johnny Cash“ bezeichnet wird. Oft trafen sich die beiden Ausnahmekünstler, standen gemeinsam auf der Bühne, und Gabriel bemühte sich, die Songs von Cash in Deutschland bekannt zu machen, indem er viele seiner Songs ins Deutsche übersetzte und im Plattenstudio aufnahm. Auch in Cashs privaten Cabin Studio in Hendersonville nahe Nashville. Hier produzierte er noch im August 2003 die Songs für sein „Tennessee Projekt“ – Eine wichtige Grundlage für sein späteres Akustik Album „LickLab Akustik Session“, mit dem er sich seinem Freund Johnny Cash noch einmal auf eine besondere Art und Weise nähert und ihn ehrt.

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IN STORES: FEB. 24, 2023

Die Erfolgsgeschichte geht weiter!     Streaming | Download    

Gunter Gabriel singt: RING AUS FEUER (Ring Of Fire)  – Die Akustikversion

Mit seiner neuen Single „Ring aus Feuer“ huldigt Lieder-Boss Gunter Gabriel wieder einmal seinem großen US-amerikanischen Ebenbild Johnny Cash. Gemeinsam mit Musiker Nils Tuxen und mehreren akustischen Gitarren entstand eine kongeniale deutsch-englische Version des populären, von June Carter und Merle Kilgore 1962 geschriebenen und von Cash bereits 1963 aufgenommenen, Hits „Ring Of Fire“ – einem der bekanntesten und beliebtesten Country-Songs aller Zeiten. Während aber in Cash`s Aufnahme markante Mariachi-Trompeten den Song prägen, hat Gabriel die Nummer drastisch entschlackt, eliminiert den Cash-typischen Boom-Chicka-Boom-Rhythmus, reduziert die Instrumentierung auf akustische Gitarren und verfeinert das Arrangement auf seine persönliche Weise.

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Die Grundlagen für den wohl berühmtesten Song von Johnny Cash, der in diesen Tagen 91 Jahre alt geworden wäre, stammen von seiner Frau June, die sich diesen Song ausdachte, als sie eines Nachts ziellos mit dem Auto durch die Gegend fuhr und sich Sorgen machte – weil Johnny Cash ein so wilder Kerl war und sie ihm trotzdem nicht widerstehen konnte. Cash selbst besingt in dem Song keine Westernromantik, sondern seine eigene Situation — einen gefährlichen Lebenswandel und vor allem die "verbotene Liebe" zu June Carter. Die beiden waren zwar 1963 schon ein Paar, aber noch mit anderen Partnern verheiratet. Cash vergleicht diese Liebe mit einem Feuerring, der das Opfer sowohl wärmt als auch quält. Und je länger man in der Liebe oder dem Feuerring verbleibt, desto intensiver werden die Flammen und die Affäre.

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Die Lebenslinien von Cash und Gabriel weisen viele Gemeinsamkeiten auf und so verwundert es kaum, dass sich der deutsche Liederboss auch diesem Song auf seine ganz persönliche Weise nähert. Doch Gabriel kopiert nicht, er drückt dem Song seinen ganz persönlichen, eigenen Stempel auf. Und er schrieb dazu auf seine unnachahmliche Art einen deutschen Text, der die Gedanken und Worte des englischen Originaltextes von June Carter hervorragend überträgt.

                                        „Ring aus Feuer“ - dieser Song brennt und brennt und brennt, für immer.


Veröffentlichung "Ring aus Feuer" (Akustikversion) am 24.Februar 2023

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Die neue Hit - Single von Lieder-Boss Gunter Gabriel     
VOR MEINER ZEIT (Before My Time)

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Es ist eines der schönsten Lieder des Albums „LickLab Akustik Session“: Das Liebeslied „Vor meiner Zeit“ – oder, wie es bei Johnny Cash hieß, der den Song nicht nur sang, sondern auch die Worte zur romantischen Melodie dazu fand, und es erstmals im Jahr 2000 veröffentlichte: „Before My Time“.

                         

Gunter Gabriel nahm seine erste Version von „Vor meiner Zeit“ schon für sein Album „Tennessee Projekt“ 2003 in der heiligen „Holz-Baracke“ des Cash Cabin Studio in Hendersonville nahe Nashville auf, da wo die Country-Ikone seinerzeit wohnte und am Ende seines Lebens auch oft aufnahm.

Jahre später zollte Gabriel dem „Man in Black“ erneut musikalischen Tribut und nahm sein hochgelobtes Album „LickLab Akustik Session“ im Studio von Nils Tuxen in Seevetal bei Hamburg auf. Es sollte das erste und einzige rein akustische Album – aber auch das finale Werk - in der langen Karriere des deutschen Country-Stars werden – ein Höhepunkt in seinem Schaffen und ein musikalisches Vermächtnis.

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Eine Generalüberholung erfuhr „Vor meiner Zeit“ im Wespo Studio Donaueschingen unter der Regie von Rolf Wetzel, der sich der Musik und dem Lieder-Boss mit viel Fingerspitzengefühl näherte. Es ist ein typischer Gabriel: eindrucksvoller, warmer Gesang, ein nachdenklicher und romantischer Text, eine Melodie mit Ohrwurmcharakter. Kurz: Ein Hit!

Veröffentlichung am 25.November 2022




JACKSON      Streaming | Download

Vor 55 Jahren nahmen Johnny Cash und June Carter die Wheeler / Leiber Komposition JACKSON zum ersten Mal auf. Es war nicht die erste Aufnahme des Songs, aber die wohl populärste und erfolgreichste. Weitere Künstler inspirierte die Geschichte eines Ehepaares, das feststellt, dass das Feuer ihrer Liebe erloschen ist, zu einer eigenen Neuaufnahme. Auch der deutsche Liederboss und Johnny-Cash-Freund Gunter Gabriel hat seine ganz eigene Version von JACKSON. Doch im Gegensatz zu Cash besticht die neue Gabriel Version mit modernem Pop-Sound, Frische und Groove, ohne die Wurzeln des Songs zu vergessen.

Die sensationelle Hit - Single von Lieder-Boss Gunter Gabriel im Duett mit Fatma Kar

So hat man Gunter Gabriel noch nie gehört! "Jackson" - der wohlbekannte Wheeler/Leiber Klassiker, kommt in einem modernen, frischen Pop-Sound. Als Duettpartnerin kommt Fatma Kar dazu, deren Stimme sich einigartig einfügt in den Song. "Jackson" wurde im Rahmen der LickLab Akustik Session" von Nils Tuxen aufgenommen. Den Weg auf das Album fand er seinerzeit nicht. Nun erstrahlt er in einer nie dagewesenen zeitgemäßen Version, arrangiert von Rolf Wetzel im WESPO Tonstudio Donauschingen.

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Die Original-Aufnahmen zum Song entstanden im Studio von Nils Tuxen im Rahmen der Produktion der „LickLab Akustik Session“. Gunter und Nils spielten mehrere Takes von JACKSON live ein. Nur mit akustischen Gitarren und einer Dobro. Den Weg auf das Album "LickLab Akustik Session" fand JACKSON damals allerdings nicht.

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Aus Anlaß des 80.Geburtstages von Gunter Gabriel holte WESPO-Studio-Boss Rolf Wetzel noch einmal die Originalaufnahmen hervor und versah sie mit neuen Gitarren und einem frischen Sound. Mit der charismatischen Sängerin Fatma Kar war schnell eine geeignete Duett-Partnerin für den Lieder-Boss gefunden. Die beiden Gesangsstimmen ergänzten sich hervorragend und ergaben zusammen eine neue, einzigartige und faszinierende Symbiose, dem sich der Zuhörer nur schwer entziehen kann.

Zur Erinnerung an einen großen Künstler erscheint nun, anläßlich des 80.Geburtstages und des 5.Todestages von Gunter Gabriel, die neue Single „Jackson“ – ein Duett mit Fatma Kar. Ein bekannter Hit, tolle Stimmen, mitreißende Melodie! Ein Ohrwurm!




Das finale Album von Lieder-Boss Gunter Gabriel: LickLab Akustik Session

Zeitlose Songs die Country-Ikone Johnny Cash bekannt machte - in deutsch

„Nicht ich bin der deutsche Johnny Cash,
sondern Cash ist der amerikanische Gabriel!“
(Gunter Gabriel)

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Da sitzt ein alter Mann im Halbdunkel, seitlich zum Beobachter, eine Gitarre in seinen Händen haltend und singt. Etwas brüchig, leise, eindringlich. “Ain`t No Grave“ – Nebel umwabert ihn. Es ist still. Das ist nicht nur ein Lied, das ist ein Statement. Der Mann ist Johnny Cash, die US-amerikanische Country Ikone, oft verkannt und falsch eingeschätzt, belächelt und leichtfertig abgetan, und der noch in seinem letzten Lebensjahrzehnt mit seinen American Recordings eine Brücke zwischen den Generationen, zwischen Alt und Jung baute. Und den am Ende seines Lebens sogar MTV für sich entdeckte.


Hello I`m Johnny Cash auf den Musical-Bühnen

Gunter Gabriel spielt Johnny Cash. Das sollte zweifelsohne die Paraderolle für den eckigen Sangesbarden aus Bünde / Westfalen sein. Viele Jahre schon singt er die Lieder der US-Country Ikone in deutscher Übersetzung und immer wieder bezeichnete man ihn als den „deutschen Cash“, was er gar nicht so gern hört: „Nicht ich bin der deutsche Johnny Cash, sondern Cash ist der amerikanische Gabriel!“ Nun steht Gabriel mit 68 Jahren zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. Allein das ist eine riesige Herausforderung an den Sänger, ein Sprung „ins kalte Wasser“, mit dem er sich hier darstellerisch fast allein benetzt. Denn die tragende Rolle in „Hello I`m Johnny Cash“ ruht auf seinen Schultern, denn Gabriel ist Cash.

Es ist fast schon erschreckend, wie nah Gabriel dem Original kommt. Die Haare (natürlich eine Perücke), die authentische Mimik und Gestik, ja sogar die sprachliche Betonung, dazu die gesamte Erscheinung in schwarz. Gabriel tänzelt um sein Mikrofon, die Gitarre hochgezogen, fast schon unterm Kinn, und spielend im „Anschlag“. „I Walk The Line“. Es ist zunächst noch die Probe für das große, bald beginnende Konzert. Von Cash kommen immer wieder Zwischenrufe an die Technik, an seine Musikanten: „Spiel den Bass anders“, „Mach meine Stimme lauter“, „Bischen mehr Hall“ … Dann schickt er die Musiker nach hinten, eine Rauchen. Er selbst setzt sich auf die Bühnenkante und spricht einen Monolog über seine Gitarre, die er über alles liebt und die Armeezeit in Deutschland. Da werden Erinnerungen wach. Ein wenig wehmütig denkt er an diese Zeit und singt noch einmal ganz für sich die guten alten Lieder von damals, „Goodnight Irene“ „I Hung My Head“ oder die so komisch klingende Nummer, die Elvis immer sang: „Muss i denn zum Städtele hinaus…“


Gabriel und Cash

Ich habe alle seine Lieder auf Vinyl, CDs und Kassetten, auf Notenpapier und unzähligen Schreibmaschinenseiten. Ich höre ihn morgens beim Rasieren und nachts auf der Autobahn. Ich war und bin Bewunderer seiner Kunst.“
(Gunter Gabriel)

Schon sein erster großer Plattenerfolg war ein eingedeutschtes Lied seines Idoles Johnny Cash: „Ich werd` gesucht“. Gunter Gabriel hat es 1973 einfach für sich adaptiert und auch deklariert. Kurze Zeit später hat er sein Idol sogar persönlich kennengelernt und es entwickelte sich sogar eine Freundschaft zwischen den beiden Künstlern, die so unterschiedlich sind, aber doch viele Gemeinsamkeiten besitzen.

Wie das Leben des US-amerikanischen Sängers verlief auch Gabriels Lebensgeschichte wie eine Achterbahn, eine pulsierende Sinuskurve, ein turbulenter Rodeoritt. Die Parallelität in den Lebenslinien von Gabriel und Cash ist manchmal schon verblüffend: Beide machen sich mit ihren Liedern zum Sprachrohr von Unterdrückten oder Randgruppen der Gesellschaft. Cash singt über Gefangene, Ureinwohner und die Eisenbahn, Gabriel über Trucker, Arbeitslose und immer wieder Frauen. Doch: Beide kommen mit ihrem schnellen Ruhm nicht klar. Bei Cash übernehmen Alkohol und Tabletten das Kommando, Gabriel trinkt, verliert Millionen und wohnt ein Jahrzehnt in einem Wohnwagen. Beide waren Anfang der 1990er Jahre auf einem privaten und künstlerischen Tiefpunkt angelangt. Was aber kaum jemand für möglich hielt: Beide konnten sich auch wieder aus diesem Sumpf nach oben arbeiten, sich befreien aus den Klauen der Drogen, der damit verbundenen Frustration und sie bahnten sich den Weg aus der künstlerischen Sackgasse.

Mein erster Song in der Hitparade war ein Lied von Cash, geschrieben von Bob Dylan, der ein wenig von mir `umgebaut` wurde. Ähnlich wie “Folsom Prison“, das von einem gewissen Jenkins geschrieben wurde und von Cash `adaptiert` wurde. Cash sagte sich: diesen Kerl will ich kennen lernen, der so ähnliche Sachen macht wie ich. Was natürlich so nicht stimmte, denn er war weit über mir. Die Einfachheit, dass ich zu ihm nach Hause kommen konnte, hat mich begeistert. Daraus ist unsere Freundschaft entstanden. Es war ein großartiges Glück für mich. (Gunter Gabriel)

           



Gunter Gabriel über Johnny Cash


Ich habe das große Glück gehabt, dass ich mein Idol eines Tages getroffen habe. Aber nicht mit großen Augen und offenem Mund, und mir dabei sagte: wie geil ist das denn, dass ich bei dem zuhause im Garten sitze? So war ich nie. Ich habe immer voller Respekt das zu würdigen gewußt, was da auf dem Blatt Papier stand. Cash hatte eine besondere Beziehung zu Deutschland, weil er als Soldat in den 1950er Jahren hier stationiert war und einer der Songs, die später weltberühmt wurden – nämlich Folsom Prison Blues – hat er tatsächlich in Landsberg am Lech geschrieben. Diese Verbindung zu Deutschland ist später durch mich auch irgendwie wach geblieben. Die Aufforderung zu ihm nach Hendersonville zu kommen, war natürlich für mich das Größte im Leben. Ich mußte dann sehen, wie verfallen er war. Diese ganze Aura, das ganze Drum und Dran dieser starken Ikone, das war alles weg. Es war der Schock meines Lebens.

Gunter Gabriel über sein erstes Akustik-Album


Dieses rein akustische Spielen ist für mich ja nichts Neues, weil ich zuhause beim Komponieren von Songs immer nur mit meiner Gitarre arbeite und auch bei Jobs mit meiner kleinen Gruppe immer wieder auch im kleinen Kreise spiele. So wie es die Urform des Musizierens überhaupt ist. Das ist für mich nicht neu, aber immer wieder sehr erfrischend. Es ist ein großes Vergnügen, eine große Genugtuung, es ist ein fortwährender therapeutischer Akt, der hier abläuft. Du hast ja keine Ermüdungserscheinungen, sondern so zu spielen ist eine große Befriedigung. Ich bin davon überzeugt, dass die Sachen, die wir aufgenommen haben, von denen man ja nicht weiß, ob sie wirklich in den Regalen von Fans landen - was ich aber wirklich glaube - eines Tages Kult werden wird. Es ist eine einmalige Geschichte, die Langzeitqualitäten hat.

Gunter Gabriel über die deutschen Texte


Die Texte, die ich gemacht habe, sind nicht so schnell hingehauene Proforma-Geschichten, die mit dem, was Cash gesungen hat, nichts zu tun haben. Ich bin immer bemüht gewesen, ganz haarscharf an der Geschichte dran zu bleiben um die Botschaft deutlich zu machen. Das ist mir wichtig, damit die Leute wissen, wie tief ist denn Cash gegangen in seiner Aussage. Es ist dabei gar nicht so wichtig, dass Cash eine Figur war, die wie ein Denkmal da stand. Das gilt im Übrigen für mich auch, ich bin in diesem Zusammenhang nicht wichtig. Es sind immer die Botschaften: Was will der Junge mit diesem Song sagen? In dieser Tradition lebe ich auch und in dieser Tradition habe ich auch die Texte übersetzt.

Gunter Gabriel über die Arbeit mit Nils Tuxen


Es ist eine Gnade, dass man jemanden hat, mit dem, man in kurzer Zeit so ein Album aufnehmen kann. In dieser Unplugged Konzeption haben wir mehr als 20 Songs innerhalb von nur 3 Tagen fertiggestellt. Das ist nur möglich, wenn du jemanden hast, wie Nils Tuxen, der mir sehr eng verbunden ist, seelisch und auch von der Auffassung her, und der die Instrumente, die ich nur laienhaft beherrsche, perfekt spielen kann. Mit dem ich mich absprechen kann, mit dem ich zwei, drei Durchgänge machen kann, und wir dann wissen: So machen wir es. Es ist ein Glücksfall, dass ich das so erleben kann. Das ist nur möglich, wenn du jemanden wirklich liebst, bei dem die Chemie stimmt und der Kaffee in diesem kleinen Kellerstudio.

(Quelle: AW Music Entertainment Group)


LICKLAB AKUSTIK SESSION
Das finale Album - Tracklisting


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01 ES GIBT KEIN GRAB (Ain`t No Grave)
02 VOR MEINER ZEIT (Before My Time)
03 SONDERFALL VON MANN (Solitary Man)
04 BRING MEIN HERZ ZU ROSE (Give My Love To Rose)
05 WIE EIN SOLDAT (Like A Soldier)
06 RING AUS FEUER (Ring Of Fire)
07 DER MANN MIT DEM BLOCK (The Man Comes Around)
08 KEINER KANN DEN KREIS DURCHBRECHEN (Will The Circle Be Unbroken)
09 MACH TEMPO (Fiddle Edit) (Get Rhythm)
10 FÜNF FUSS HOCH UND STEIGEND (Five Feet High And Rising)
11 EIN JUNGE NAMENS SUSI (A Boy Named Sue)
12 ICH BLEIB AUF KURS (I Walk The Line)
13 MANN IN SCHWARZ (Man In Black)
14 SAN QUENTIN (San Quentin)
15 FOLSOM PRISON BLUES (Folsom Prison Blues)
16 HEY SCHAFFNER (Hey Porter)
17 MEIN LETZTER GRUSS
18 BLUES FÜR JOHNNY (Instrumental)
19 HURT (Hurt)
20 MEIN LETZTER GRUSS (Radio Edit)

Produziert von ANDREAS WEIHS für AWP Records - A Unit Of AW Music Entertainment Group
Gemastert von DREW THOMAS im SAGE AUDIO Mastering Studio Nashville / TN


Gunter Gabriels neues Album „LickLab Akustik Session“ ist zweifelsohne sein bisher ambitioniertestes Projekt, ganz im Stile von Cash`s „American Recordings“ entschlackt Gabriel die Lieder, reduziert sie auf das Wesentliche und bedient sich dabei ausschließlich akustischer Instrumente. Er zupft die Saiten seiner Gitarre und sein Mit-Musiker Nils Tuxen bringt eindrucksvoll Banjo, Mandoline, Pedal Steel und noch so manch anderes Instrument zum Klingen. Dazu singt Gabriel mit kräftiger, aber kratzender, rauher Stimme – die in den Jahren wohl immer besser, immer interessanter, spannender wird - und gibt den Liedern dadurch noch mehr Authentizität, als ihnen ohnehin schon innewohnen.

Es hat Gabriel immer am Herzen gelegen, Cash und dessen einfach-eindringliche Geschichten verständlich zu machen. „Ich wollte immer, dass die Leute verstehen, wovon Cash singt. Worüber hat der Kerl eigentlich gesungen? Was macht die Lieder eines Johnny Cash aus?“ Deshalb singt Gabriel nun Hits wie „Get Rhythm“, „A Boy Named Sue“ und „I Walk The Line“ auf deutsch. Kein anderer als Gabriel kann diese Lieder glaubwürdig auf deutsch singen. Er hat es getan.


Unveröffentlichte Duettsongs von Gunter Gabriel mit Linda Feller



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Am 22. Juni 2017, nur 11 Tage nach seinem 75. Geburtstag, fiel für Gunter Gabriel nach einem schweren Treppensturz der letzte Vorhang. Ein herber Schlag für die deutsche Musikwelt. Nun sind bisher unveröffentlichte Songs des Countrysängers zusammen mit der Countrylady Linda Feller aufgetaucht.

Linda und Gunter haben bereits im Jahre 1989 das erste Mal den Song „Wenn ich nur ein Trucker wär“ – im Original: If I Were A Carpenter - zusammen aufgenommen. Davor waren sich Linda und Gunter bei einem Konzert, auf dem beide auftraten, begegnet. Gunter war damals sofort von Lindas Stimme begeistert. Kurz darauf nahmen sie den Song zusammen auf.

Viele Jahre später haben Gunter und Linda diese erfolgreiche Zusammenarbeit fortgesetzt. Während eines zufälligen Aufeinandertreffens im Studio von Nils Tuxen freuten sie sich so über ihr Wiedersehen nach langer Zeit, dass sie spontan einige Lieder zusammen sangen. Glücklicherweise hatte Nils die Bandmaschine angestellt, um diese legendären Aufnahmen der Nachwelt zu erhalten. Aus dieser ungeplanten und spontanen Session gingen Duettversionen der Lieder „Jeder Mann braucht eine Frau“ (Waylon Jennings/Billy Joe Shaver, mit einem deutschen Text von Gunter Gabriel), „Was wär`n die Männer ohne die Frau`n“ (Gunter Gabriel) und „Wenn ich nur ein Schreiner wär`“ (Tim Hardin, mit einem deutschen Text von Gunter Gabriel) hervor. Aufgenommen im Rahmen von Gunters LickLab Akustik Session im Studio von Nils Tuxen.

           


Mit den vervollständigten Duettaufnahmen sind nach Gabriels Ableben nun – nach dem Full-Album LICKLAB AKUSTIK SESSION (AWP0171-2) – auch die letzten Studio-Aufnahmen des Künstlers aufgetaucht mit der einmaligen, eindrucksvollen und gereiften Stimme der letzten Lebensjahre dieses Ausnahmekünstlers gemeinsam mit einer der besten Sängerinnen des deutschen Country-Pop Linda Feller.



Tracklisting: 1. Jeder Mann braucht eine Frau (Dance Version) 2. Was wär`n die Männer ohne die Frau`n (Akustik) 3. Jeder Mann braucht eine Frau (Akustik) 4. Wenn ich nur ein Schreiner wär (Akustik) 5. Was wär`n die Männer ohne die Frau`n (Soloversion)

           



GUNTER GABRIEL BRILLIERT IN „HELLO I`M JOHNNY CASH” IM RENAISSANCE THEATER BERLIN

Da sitzt ein alter Mann im Halbdunkel, seitlich zum Beobachter, eine Gitarre in seinen Händen haltend und singt. Etwas brüchig, leise, eindringlich. „Ain`t No Grave“ – Nebel umwabert ihn. Es ist still. Das ist nicht nur ein Lied, das ist ein Statement. Der Mann ist Johnny Cash, die US-amerikanische Country Ikone, oft verkannt und falsch eingeschätzt, belächelt und leichtfertig abgetan, und der noch in seinem letzten Lebensjahrzehnt mit seinen American Recordings eine Brücke zwischen den Generationen, zwischen Alt und Jung baute. Und den am Ende seines Lebens sogar MTV für sich entdeckte.

           

Gunter Gabriel spielt Johnny Cash. Das sollte zweifelsohne die Paraderolle für den eckigen Sangesbarden aus Bünde / Westfalen sein. Viele Jahre schon singt er die Lieder der US-Country Ikone in deutscher Übersetzung und immer wieder bezeichnete man ihn als den „deutschen Cash“. Nun steht Gabriel mit 68 Jahren zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. Allein das ist eine riesige Herausforderung an den Sänger, ein Sprung „ins kalte Wasser“, mit dem er sich hier darstellerisch fast allein benetzt. Denn die tragenden Rollen in „Hello I`m Johnny Cash“, dessen Premiere am Donnerstag Abend im Berliner Renaissance Theater statt fand, ruhen auf den Schultern von nur zwei Charakteren: Johnny Cash und June Carter Cash.

Es ist fast schon erschreckend, wie nah Gabriel dem Original kommt. Die Haare (natürlich eine Perücke), die authentische Mimik und Gestik, ja sogar die sprachliche Betonung, dazu die gesamte Erscheinung in schwarz. Gabriel tänzelt um sein Mikrofon, die Gitarre hochgezogen, fast schon unterm Kinn, und spielend im „Anschlag“. „I Walk The Line“. Es ist zunächst noch die Probe für das große, bald beginnende Konzert. Von Cash kommen immer wieder Zwischenrufe an die Technik, an seine Musikanten: „Spiel den Bass anders“, „Mach meine Stimme lauter“, „Bischen mehr Hall“ … Dann schickt er die Musiker nach hinten, eine Rauchen. Er selbst setzt sich auf die Bühnenkante und spricht einen Monolog über seine Gitarre, die er über alles liebt und die Armeezeit in Deutschland. Da werden Erinnerungen wach. Ein wenig wehmütig denkt er an diese Zeit und singt noch einmal ganz für sich die guten alten Lieder von damals, „Goodnight Irene“ „I Hung My Head“ oder die so komisch klingende Nummer, die Elvis (auch in Deutschland stationiert) immer sang: „Muss i denn zum Städtele hinaus…“

Die Verwandlung von Gunter Gabriel zu Johnny Cash


           

           

Nun ist es an der Zeit, die Show muss beginnen und während die Musiker schon die ersten Takte spielen, kommt Cash von hinten auf die Bühne, reißt einen Arm hoch und spricht in die Noten hinein: „Hello I`m Johnny Cash“. Das Publikum jubelt und der Star singt „I Walk The Line“, in einem Sprachmix aus englisch und deutsch. Dann: Hinter den Akteuren huscht ein gezeichnetes weißes Pferd zu den Klängen von „Man Comes Around“ durch das Bild. Die vier Musiker, die Cash begleiten, machen ihr eigenes Ding daraus, ohne sich nach vorn zu drängen. Die Noten sind für den Zuhörer eingängig und filigran arrangiert, die Musiker haben damit allerdings mehr Arbeit, als es für die Leute im Saal scheint. Denn er Song ist alles andere als einfach. Aber Harry Ermer (Klavier, Mundharmonika, Bass), Michael Gechter (Gitarre, Violine), Johannes Gehlmann (Gitarre) und Stephan Genze (Schlagzeug) meistern nicht nur diese Hürde bravourös.

Nun ist die Musik, sind die Lieder des Johnny Cash, für Gunter Gabriel das Einfachste an seinem Auftritt. Zwar hat er als bekennender Deutsch-Fan seine früheren Interpretationen in seiner eigenen Sprache vorgetragen und muss sich nun wohl oder übel mit den englischen Texten herum schlagen, doch das ist für Gabriel eine reine Form- und Übungssache. Aber für seine Zwischentexte muss er echt büffeln. So, wie es eben am Theater Gang und Gäbe ist. Dem einen fällt`s leichter, dem anderen schwerer. Vor seinem ersten Auftritt als Schauspieler sagte er noch: „Ich habe Muffe ohne Ende.“ Verständlich. Denn hier, auf dieser Bühne, wird er genau beobachtet, und die „Geier“, die ihn schon in den vergangenen Jahrzehnten jagten und jeden Fehltritt dokumentierten und in die Welt hinaus posaunten, die schauen jetzt ganz genau hin und warten nur darauf, dass etwas passiert, dass er der Aufgabe nicht Herr wird, dass er Fehler macht. Doch Gabriel tut ihnen den Gefallen nicht. Nicht hier, nicht in dieser Rolle. Natürlich spürt man als Zuschauer seine innere Aufgeregtheit, seine Anspannung, aber das ist normal. Und es macht die Story noch authentischer.

Wie das Leben des US-amerikanischen Sängers verlief auch Gabriels Lebensgeschichte wie eine Achterbahn, eine pulsierende Sinuskurve, ein turbulenter Rodeoritt. Auf der Theaterbühne durchlebt der 68jährige die Höhen und Tiefen der Countrylegende, und irgendwie auch die seines eigenen Lebens. Parallelen gibt es genug: beide machen sich mit ihren Liedern zum Sprachrohr von Unterdrückten oder Randgruppen der Gesellschaft. Cash singt über Gefangene, Ureinwohner und die Eisenbahn, Gabriel über Trucker, Arbeitslose und immer wieder Frauen. Doch: Beide kommen mit ihrem schnellen Ruhm nicht klar. Bei Cash übernehmen Alkohol und Tabletten das Kommando, Gabriel verliert Millionen und wohnt ein Jahrzehnt in einem Wohnwagen. Am Ende kriegen beide ihr Leben wieder in den Griff. Das ist allerdings die kürzeste Kurzfassung.

           

Natürlich kommt jetzt auch SUN Records und Sam Phillips ins Spiel. Ganz entscheidend für den weiteren Weg Cash`s. Zunächst blitzt der Sänger mit seinen Gospelsongs beim Plattenboss ab, das will niemand hören. Doch als Cash, ziemlich aufgeregt, ein wenig zittrig sogar, und umrahmt von Stand-Bass und Gitarre „Folsom Prison“ und „Hey Porter“ zum Besten gibt, lässt sich Phillips erweichen und verkündet: „Wir machen die Platte.“ Die Freude darüber rockt und rollt und mündet in „Blue Suede Shoes“.

           

Spätestens jetzt muss ein Satz über das Premieren-Publikum gemacht werden. Denn die rund 600 Freunde, Kollegen, Interessierte und Fans im ausverkauften Renaissance Theater sind äußerst sach- und fachkundig. Sie tragen ihren Teil zum Gelingen bei, bemühen sich um absolut authentische Konzertatmosphäre, klatschen, toben, pfeifen. Hie und da gibt es Zwischenrufe. Einen Graben zwischen Bühne und Saal gibt es nicht. Alle sitzen in einem Boot, sind gleich an diesem Abend. Und sie brennen, denn „wenn es nicht in dir lodert, das Feuer, dann kannst du alles vergessen“, meint der „Man In Black“. Cash spricht offen über seine Probleme mit Tabletten, Drogen und Alkohol. Tja, und einmal, da schnappten sie ihn an der mexikanischen Grenze mit einem kleinen Vorrat, den er in seiner Gitarre bunkerte.

Nach einer knappen Stunde Show ein weiteres Highlight: Cash bittet June Carter auf die Bühne, um mit ihm zu singen. Die tänzelt flink und fröhlich von hinten hinein und beginnt mit dem „Juke Box Blues“. Dabei wirkt sie wie ein kleines, junges Ding, lacht, scherzt, wirft die Haare und den Rock im Rhythmus. Mit der 57-jährigen Helen Schneider eine Traumbesetzung. Sie spielt zum ersten Mal eine Countrysängerin und sie macht das, wie schon so vieles vorher, grandios. Sie singt hervorragend (keine Frage!) und wirbelt wie das Original über die Bühne. Wie keine andere fühlt sie sich in die Person der June Carter, in ihre Musik, ihren Gesang hinein. Ganz Profi und auch irgendwie ein kleiner Halt für Gabriel, für den das Ganze ziemlich neu ist.

           

Johnny himmelt June schon lange an, ihre Art fasziniert ihn. Leise Annäherungsversuche beim gemeinsamen Lied „If You Were A Carpenter“, sie fassen sich sacht bei den Händen, doch dann, irgendwie Macho, prescht der Mann vor und sagt ihr auf offener Bühne: „Wir werden heiraten!“ Das setzt eine spontane Ohrfeige von June, denn die beiden sind noch verheiratet, aber jeweils mit anderen Partnern. Eine brachiale Punkversion von „I Got Stripes“ folgt und lässt zunächst den Vorhang fallen.

Als Johnny wieder einmal betrunken ist und auf sich warten lässt, unterhält June das Publikum allein, stellt singend die Band vor, um die Zeit zu überbrücken. Doch bei „Ring Of Fire“ eskaliert es, weil Johnny wieder einmal den Macho raushängen lässt und June, die das Lied schrieb, zwingt, die Geschichte des Liedes öffentlich zu erzählen, die Geschichte ihrer Liebe, die eigentlich nicht sein darf, weil beide an andere Partner vergeben sind. Am Ende des folgenden „Jackson“ Duettes gibt es schließlich ein filmreifes Liebes-Happy-End, stilecht mit einer roten Rose. Die im wirklichen Leben nun folgenden dreieinhalb Jahrzehnte gemeinsamen Lebens werden mittels eines nur Minuten andauernden traurigen Monologes von June gerafft und münden in „Hurt“ – das Vermächtnis des Sängers, mit dem sich Johnny Cash von der Welt am 12.September 2003 verabschiedet. Am Ende demaskiert sich die Cash Figur zu Gunter Gabriel, reißt die Perücke vom Kopf und erzählt von seinen letzten Erlebnissen mit dem Mann, der nicht nur sein Leben und seine Musik nachhaltig beeinflusste. Die Brücke zwischen den Generationen wird noch einmal in der Neuauflage von „Personal Jesus“ lebendig und mit dem folgenden „Ain`t No Grave“ schließt sich der Kreis.

           

Das Bühnenstück „Hello I`m Johnny Cash“ kommt ohne große Effekthascherei aus. Passendes, auf die Situation abgestimmtes Licht, ab und an etwas Nebel – das und das Agieren der beiden Hauptdarsteller reicht aus, den Zuschauer in das Geschehen hinein zu versetzen, ihn emotional teilhaben zu lassen an der Lebensgeschichte des Johnny Cash, die alles andere als immer schön und gradlinig war. Wer könnte Cash besser verkörpern als Gunter Gabriel? Hierzulande wohl Niemand. Die enge persönliche Beziehung, die beide Sänger seit 1977 hatten, spürt der Zuhörer vor allem in den berührenden leisen, intensiven Liedern und den Erzählungen. Nach mehr als zwei Stunden hört man Bravo-Rufe im Theater und Niemand ist mehr auf den Sitzen. Eine tolle, berührende Umsetzung. Zeitlose Musik. Grandiose Hauptdarsteller. Standing Ovations. Gerechtfertigt!